Projektupdates XXL und die Auseinandersetzung mit dem inneren Kritiker: die ganze Wahrheit

CN: Mobbing Erwähnung und Kommentare

Dieser Blogbeitrag ist sehr schmerzhaft für mich zu schreiben. Warum? Weil die Erkenntnis schmerzt.

Die Erkenntnis, dass beim Schreiben ich selbst mein eigener Mobber bin.

Go on and try to tear me down

I will be rising from the ground

Like a skyscraper

https://www.lyricfind.com/

Diese Lyrics stammen aus einem Songtext, Skyscraper von Demi Lovato. Die drei Worte des Refrains, like a skyscraper, habe ich unter meinem Schlüsselbein tätowiert. Die Zeilen bedeuten mir viel und ich hatte bereits auch mal angesprochen, Demi bedeutet mir viel. Sie ist meine Inspiration, mein Idol und erinnert mich jeden Tag aufs Neue daran, mich nie unterkriegen zu lassen vom Leben selbst. Der Song fühlt sich an wie meine eigene Lebensgeschichte, daher ist da diese tiefe, persönliche Verbundenheit. Ich war über 10 Jahre lang Opfer von Mobbing und die Folgen davon reichen bis heute nach. Und obwohl ich noch viel mehr durchgemacht habe, Dinge, die ich so nie öffentlich machen werde, stehe ich immer noch hier. Lebend. Ich gehe weiter, Schritt für Schritt. Dieses Lied erinnert mich daran, immer weiter zu machen, egal, wie sehr andere einen am Boden sehen wohlen. Oder in diesem Fall: ich selbst.

Foto von 2017

Klingt paradox? Ich will mich doch nicht selbst am Boden liegen sehen, oder? Ich will aufsteigen wie ein Phönix in der Luft und es allen zeigen, allen voran mir selbst. Nun ja, kennt ihr alle die kleine fiese Stimme in eurem Kopf? Die, die euch sagt, dass ihr niemals gut genug sein werdet? Dass ihr das, was ihr gerade macht, gar nicht könnt? Dass niemand das jemals gut finden wird, was ihr macht? Genau das ist euer innerer Kritiker! Der mag für jeden anders aussehen, sich anders anhören und sich unterschiedlich oft melden, aber bei den meisten Menschen ist er mal mehr oder mal weniger oft da und meldet sich meistens dann, wenn wir ihn am wenigsten gebrauchen können.

Ich merke den inneren Kritiker am häufigsten bei kreativen Tätigkeiten, wenn es darum geht, mein Innerstes nach außen zu kehren, meine tiefsten Sehnsüchte, Werte, Wünsche und Ideen zu offenbaren und mich verletzlich zu machen. Denn nichts anderes macht man, wenn man schreibt. Um es dramatisch zu formulieren: Ich lege mein Herz auf die Tastatur und schreibe mit der Kraft meiner Tränen. Denn alle meine Romane haben einen extremen persönlichen Bezug zu meinen Leben, manchmal sehe ich das schreiben mehr als eine Art der Eigentherapie und dem Vermitteln meiner Werte für die Gesellschaft an. Ich bin wahnsinnig kreativ, liebe die Fantasy, genauso wie die Liebe. Eine gewisse Schwermütigkeit wird sich immer in meinen Geschichten finden, weil ich selbst auch so bin und ich diese leichte Form der Schwere und der Tiefe mag. Per se sag ich schon, dass ich gut mit Worten umgehen kann, ich liebe es, bildhaft und dramatisch zu schreiben. Sozusagen die Tragik des Lebens in Worte zu packen. Das ist sehr anstrengend und intensiv, aber so schreibe ich am stärksten, als wenn mir eine emotionale Verbindung zur Geschichte fehlt. Doch was das Schreiben so wahnsinnig anstrengend macht, liegt auch am inneren Kritiker.

In den letzten 1,5 Jahren habe ich ca. 10 Romane angefangen, keinen davon beendet. Das meiste, was ich an einem Roman geschrieben habe, waren 20 000 Wörter, alle anderen gingen in der Regel nicht über die ersten 5000 Wörter hinaus. Dabei haben die meisten meiner Romane ca. 100 000 Wörter. Ein Roman schreiben ist also ein verdammt langer Weg! Aber da ist diese Stimme in meinem Kopf, die mir kontinuierlich beim Schreiben flüstert, wie schlecht das ist, was ich schreibe. Nein, sie flüstert nicht. Sie schreit. Sie übertönt die Musik, die ich lautstark höre, übertönt meine eigenen, kreativen Gedanke, die Worte, die ich in meinem Kopf formuliere und auf die Tastatur banne. Sie scheint übermächtig.

Vor 7 Jahren habe ich das Feedback eines Testlesers bekommen: Wenn ich ein Leser wäre, hätte ich jetzt abgebrochen und würde nicht weiterlesen wollen. Seitdem frage ich mich jedes Mal beim Schreiben: wenn ich der Leser wäre, würde ich weiterschreiben wollen? Fast jedes Mal lautet die Antwort Nein. 

Ich bin sehr perfektionistisch, habe einen extrem hohen Anspruch an mich selbst, will um jeden Preis gemocht und anerkennt werden, und doch bin ich diejenige, die das am wenigsten selbst tut. Auf die Frage, ob ich liebenswert sei, ist meine Antwort ohne zu zögern: Nein. Das ist Bullshit. Jeder ist liebenswert, da gibt es nicht die Frage nach einem ob! Nur muss ich das selbst noch glauben.

Ich habe meinem inneren Kritiker den Namen einer Lehrerin gegeben, die mich damals fertig gemacht hat. Dass ich es nie zu etwas bringen werde, ich würde nur für die Sonderschule reichen, zu etwas anderem wäre ich nicht in der Lage. Gott solle mir doch bitte Hirn schenken, meinte sie dann. Werde jetzt aus namenschutzrechtlichen (gibt es das Wort?) den Namen nicht nennen, aber wenn der innere Kritiker wieder rumschreit, sage ich: „Halt die Klappe Frau XY!“. Leider funktioniert das noch nicht so gut, wie ich gerne hätte. Diese Glaubenssätze, der innere Kritiker usw., das ist so tief verwurzelt, dass es Jahre dauern wird, bis man da seine Gedankenwelt wirklich dauerhaft verändert hat. Dafür sitzt der Schmerz, der Angst viel zu tief.

Denn letzten Endes ist das nicht weiter als die Angst vor Ablehnung, die Angst, nicht gemocht zu werden, die Angst, den anderen recht zu geben, indem man sich tatsächlich als nicht liebenswert herausstellt, die Angst, nicht gut genug zu sein und eigentlich gar nicht schreiben zu können.

Der Unterschied zur Fotografie

Denn im Gegensatz zur Fotografie habe ich beim Schreiben noch nicht die Bestätigung erhalten, dass ich wirklich gut bin, oder dass Menschen meine Geschichte lesen wollen und diese gut finden. Bei der Fotografie habe ich Wettbewerbe und Preise gewonnen, Portfolios in Fachzeitschriften etc., da weiß ich, was ich kann und was nicht und stehe dazu. Ich stehe bedingungslos hinter meiner Fotografie, selbst dann, wenn andere sagen, dass gefällt mir nicht. Gut, die Zweifel sind natürlich trotzdem da, da ich mich einfach schnell verunsichern lasse, aber es ist kein Vergleich zum Schreiben. Beim Schreiben braucht nur niemand auf meine Story zu meiner Geschichte reagieren und schon denke ich „oh vielleicht ist ja doch alles schlecht, ich sollte die komplette Geschichte aufgeben.“ Seht ihr, was ich meine? Es gibt da nur das eine Extreme, oder das andere. Ich bin generell jemand, der sehr extrem von den Stimmungen her schwammt. Zum Leidwesen meiner Mitmenschen zugegeben. In der einen Sekunde bin ich gut gelaunt, euphorisch und lebensbejahend, in der anderen Sekunde finde ich alles furchtbar, hasse alles und behaupte, nichts sei mehr schön im Leben. Das ist wie einmal Fingerschnippen. Dadurch, dass das Schreiben viel emotionaler und persönlicher als die Fotografie ist, zeigt sich dieses Verhalten auch beim Schreiben. Den einen Tag liebe ich meine Geschichte abgöttisch und nichts wird jemals besser sein, als genau dieses Projekts und am nächsten Tag hasse ich es und will nichts mehr damit zu tun haben.

Was hat das jetzt mit meinem eigenen Mobber zu tun?

Ich bin mittlerweile zu der weiteren Erkenntnis gekommen, dass ich jede Geschichte nach 1-2 000 Wörtern abbreche, weil ich in Wirklichkeit mich selbst beschützte, bzw. wohl eher selbst sabotiere. Ich habe so große Angst vor eine Veröffentlichung, dass ich Shitstorms kriege, schlechte Rezis, Kritik, dass über mein Buch gelästert wird oder das Gegenteil, dass niemand mein Buch liest. Dass es niemanden interessiert, was ich zu sagen habe oder was ich geschrieben habe. Diese Angst ist so groß, dass bei dem Gedanken einer Veröffentlichung die Panik, das mulmige Gefühl, über dem der Vorfreude steht. Ich will an die 40 Romane veröffentlichen, habe einen extremen Input an ständig neuen Ideen und Plänen, aber ich komme nicht in die Umsetzung. Dabei schreibe ich grundlegend nicht für andere. Ich schreibe, weil ich so viel zu sagen habe, was ich so nie ausdrücken könnte, als indirekt durch Geschichten, jede meiner Geschichten hat eine Moral, jede einen persönlichen Bezug, ich verarbeite viel in meinen Romanen. Das ist oft schmerzhaft, aber genauso auch heilend. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass ich nur durch das Schreiben einer Trennung in einem Romane meinen damaligen Liebeskummer besser verarbeiten konnte. Natürlich richte ich mich nach den Charakteren, ich schreibe schließlich keine Autobiografien.

Aber je mehr ich mich selbst fertig mache, denn nichts anderes macht ein innerer Kritiker, desto häufiger Scheitere ich und das Gefühl des Versagens wird übermächtig. Natürlich ist der innere Kritiker auch hilfreich, er spornt uns an, besser zu werden, aber in der Regel erst dann, wenn man ein dickeres Fell hat und wenn man schon etwas vorzuweisen hat. Nicht in der Schaffensphase.

Wobei wir da glaube ich auch alle den Spruch eines Lehrers kennen: „Ich gebe dir eine 4+ statt einer 3-, das spornt dich mehr an, eine bessere Leistung zu zeigen.“ Wen von euch spornte das tatsächlich noch mehr an? Und wen motiviert das? Ich glaube, das ist sicherlich auch eine Typsache. Man könnte auch sagen „Meinem inneren Kritiker zeige ich es jetzt! Ich beweise, dass ich es trotzdem schaffe.“

Projektupdate XXL

Aber ich glaube, dass ich so festgefahren bin, so gelähmt in diesen Angstmustern, dass mir diese Einstellung noch fehlt, es ist eine psychische Blockade. Erst gestern habe ich eine Kurzgeschichte angefangen. Ich dachte mir, dies sei ein guter Weg, etwas fertigzustellen, schließlich sieht man so schneller ein Ende. Surprise: Nach 1500 Wörtern finde ich alles geschrieben furchtbar und ich brenne nicht mehr für die Geschichte. Schlimmer noch: I just dont care. Wirklich, es ist mir auf einmal egal geworden, ob ich die Geschichte meiner Charaktere zu Ende erzähle oder nicht. Ob ich aufgebe oder nicht. Wahrscheinlich ist das wieder meine eigene Schutzmauer, die da schneller hochfährt, als ein Ferrari an Tempo gewinnt. Wie in einer Beziehung, die man schnell fallen lässt mit dem Gedanken „oh es könnte ja ernst werden.“

Ich spreche hier viel von Erkenntnissen und Reflexion. Tja, was ist jetzt die Erkenntnis aus diesem Blogbeitrag? Dass ich meinem inneren Kritiker zu viel Macht gebe? Dass ich eigentlich gar nicht schreiben sollte? Ich will nicht, dass das die Antwort ist. Ich will etwas tun können. Aktiv. Ich will nicht länger mein eigener Mobber sein, der mich selbst fertig macht für etwas, was ich noch gar nicht beendet habe. Dafür stehen noch so viele tausend Schritte zwischen mir und meiner Veröffentlichung, die genauso Hürden darstellen, die überwunden werden wollen (Stichwort Testleser und Überarbeitung).

Fakt ist: Es ist egal, welche Geschichte ich erzählen will oder wie kurz sie ist. Der innere Kritiker ist immer da.

Das ist mein Projektupdate bisher (k. ist als Abkürzung für tausend):

Fertig geschrieben

  • GlashausSaga: Band 1 und 2 fertig geschrieben mit 100k und 70k. Geplant: 5 Bände mit jeweils 70k.
  • Botin der Nacht: 100k fertig geschrieben. Geplant: Einzelband, Umschreiben/Neuschreiben notwendig. Schwierige Lage.

Den Anfang oder die Hälfte fertig geschrieben

  • Todesglück: 50k von Band 1 geschrieben. Geplant: Trilogie, jeweils 100k.
  • Projekt DZdvT: 50k geschrieben. Geplant: Trilogie, jeweils 100k.
  • Herzensangst: 20k geschrieben. Geplant: Einzelband, 70k.
  • Projekt dMp: 50k geschrieben. Geplant: Einzelband, 100k.
  • Lacuna: Ca. 10k geschrieben. Geplant: Einzelband, 100k.
  • Projekt Legends. 5k geschrieben von Band 1. Geplant: Buchserie, mit Episoden, jeweils 30k.
  • Zwillingszauber Novelle: 6k geschrieben. Geplant: Einzelband, 25k.
  • Zwilingszauber: 2 Sätze geschrieben. Geplant: Einzelband, 100k.
  • Projekt Ll: 1,5k geschrieben. Geplant: Einzelband, 70k.
  • Projekt SsuLh: 1,5k geschrieben von Band 1. Geplant: Dilogie, jeweils 100k.
  • Projekt Mh: 5k geschrieben von Band 1. Geplant: 5 Bände, jeweils 100k.
  • Kurzgeschichtensammlung LguAs: 1,5k von Kurzgeschichte 1 geschrieben. Geplant: mindestens 5, jeweils 10k.
  • Kurzgeschichtensammlung F: noch nichts geschrieben. Geplant: mindestens 5 Kurzgeschichten, jeweils 10k.
  • Projekt FsSg: ein paar Sätze geschrieben. Geplant: Einzelband, 100k.
  • Projekt BH: 2 Sätze geschrieben. Geplant: Einzelband, 100k.

Noch nichts geschrieben

  • Projekt DmuDg: noch nichts geschrieben. Geplant: Einzelband, 100k.
  • Projekt GwI: noch nichts geschrieben. Geplant: mindestens Trilogie, jeweils 70k.
  • Projekt Sm: Noch nichts geschrieben. Geplant: Trilogie, jeweils 100k.
  • Projekt Fm: Noch nichts geschrieben. Geplant: Trilogie, jeweils 100k.
  • Projekt Jm: noch nichts geschrieben. Geplant: 4 Bände, jeweils 100k.
  • Projekt LruHs: noch nichts geschrieben. Geplant: Einzelband, 70k.
  • Projekt Floramagier: noch nichts geschrieben. Geplant 5 Bände, jeweils 100k.
  • Projekt Ebz: noch nichts geschrieben. Geplant: Einzelband, 70k, wahlweise Kurzgeschichte mit 10k.
  • Projekt H: noch nichts geschrieben. Geplant: Einzelband oder Trilogie, jeweils 70k.
  • Projekt R: noch nichts geschrieben. Geplant: Einzelband oder Trilogie, jeweils 70k.
  • Projekt Gp: noch nichts geschrieben. Geplant: Trilogie, jeweils 100k.

Letztes Jahr begann ich Zwillingszauber zu schreiben. Gleichzeitig eine Hommage an den wichtigsten Menschen in meinem Leben und die schlimmste Zeit in meinem Leben. Ein offensichtlich wahnsinnig emotionales Projekt für mich, während des Plottens habe ich häufiger angefangen zu weinen, habe bereits die Cover erstellt, die Veröffentlichung geplant etc. Tja, Ende vom Lied: Nach ca. 6000 Wörtern habe ich es abgebrochen. Je emotionaler wichtiger ein Projekt ist, desto schwieriger fällt es mir auch, es meinen Ansprüchen gerecht umzusetzen. Kennt ihr das auch, wenn euch z. B. ein Treffen besonders wichtig ist und ihr nicht entscheiden könnt, was ihr anziehen sollt, weil es muss ja perfekt sein? 😉

Dann habe ich eine Geschichte angefangen, zu dem ich weniger persönlichen Bezug hatte, locker und leicht sollte sie sein. In den Zeiten einer Pandemie zieht mich schließlich alles schon genug runter, da muss ich nicht mit meinen Geschichten weitermachen, die nur von Tod, Schmerz und Angst handeln. So viel Tragik. Aber auch das funktionierte nicht, es erschien mir alles zu belanglos. Dann habe ich drei weitere Projekte angefangen, an dem vierten sitze ich gerade mit einer Kurzgeschichtensammlung.

Aber ihr seht: Der Kreislauf dreht sich unaufhörlich weiter, denn der Glaube ist da, dass es mit dem nächsten Projekt ja besser laufen würde. Bestimmt klappt es besser, wenn ich keine Fantasy schreibe! Es fehlt Magie. Bestimmt klappt es besser, wenn ich keine Fantasy schreibe! Zu kompliziert. Bestimmt klappt es besser, wenn ich einen Liebesroman schreibe. Zu lebensnah. Und so weiter, und so weiter. Es gibt so viele tausend Möglichkeiten, was man wie schreiben könnte und als jemand, der sich grundsätzlich ungern festlegt, weil etwas anderes könnte ja besser sein und was wäre, wenn etc., ist das schonmal ganz schlecht. Fragt mich nicht, wie ich mich jemals für einen Job oder einen Mann entscheiden soll 😉 Oder einen Instagram Feed *hust*.

Freunde meinten einmal zu mir:

„Ach du fängst schon wieder ein neues Projekt an? Na ja, ich brauche mich ja noch nicht darauf freuen, du beendest es ja eh nicht. Morgen hast du wieder was Neues.“

„Vielleicht suchst du dir einfach einen Ghostwriter, der deine Geschichten zu Papier bringst, denn du selbst schaffst es ja offensichtlich nicht.“

Ja, es ist ermüdend. Für mich. Für mein Umfeld, die sich ständig meine Probleme anhören müssen. Letztens fragte mich eine Freundin: „Und wie läuft es mit deinem Projekt?“ Und meine erste Reaktion war: „Welches?“ Ich verliere wirklich innerhalb von einem Fingerschnippen jegliche Motivation, Interesse und Leidenschaft für ein Projekt und das gibt dem inneren Kritiker natürlich noch mehr Macht. Als ich Botin der Nacht nach Monaten der Abwesenheit wieder aufgriff und weiterschrieb sagte ich zu mir selbst: „das bin ich mir selbst und meinen Charakteren schuldig!“. Leider habe ich das Gefühl, dass dieser Gedanken heutzutage nicht mehr ausreicht. Meine Gedanken haben sich diesbezüglich verschlimmert, seitdem ich einen Teil der Bücherwelt, der Buchwelt und Bookstagrammer geworden bin. Ja, so lieb die Community auch sein kann, so hart wie da auch mit manchen Autor:innen und Büchern ins Gericht gegangen. Dann frage ich mich immer: Was ist, wenn ich das jetzt wäre, über den da gelästert wird? Dabei bin ich selbst nicht besser, wenn ich mich auf social media über manche Bücher aufrege. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und manchmal ist es nicht einfach, alles zu trennen.

Übrigens berichtete die YouTuberin hier, dass sie 1 Jahr lang (!) nichts mehr auf YouTube gepostet hat, nicht, weil sie keine Zeit hatte etc. Sie hat viele neue Videos gedreht, aber sie hat jedes einzelne gelöscht, weil sie immer dachte, dass sei nicht gut genug zum Hochladen und so entstand ein Teufelskreis, dem sie nicht entkommen ist. Jetzt ist sie in Therapie und versucht das wieder anzugehen, auf das Bild klicken, um zum Video zu gelangen:

PS: Natürlich bin ich auch in Therapie, aber da stehen andere Phobien im Vordergrund und in 2 Monaten endet die Therapie leider auch.

Nach diesem laaaaangen Seelenstriptease noch meine persönlichen Tipps, um den inneren Kritiker zumindest etwas leiser zu schalten (wo ist die Fernbedienung?):

  1. Aufschrieben, was man an dem Projekte oder dem Schreiben als solches so sehr liebt.
  2. Aufschreiben, warum man gut schreiben kann, warum man gut ist. Vielleicht auch Komplimente, die man bekommen hat, zum Schreibstil, Idee etc.
  3. Schreiben. Einfach weiter machen. Letzten Endes funktioniert der Nanowrimo für mich auch deswegen so gut, weil ich meinem inneren Kritiker gar nicht genug Zeit gebe, es sich gemütlich zu machen. Denn ich schreibe da 30 Tage lang jeden Tag 1667 Wörter, egal, was ist. Diese Routine halte ich für unheimlich effizient. Tatsächlich ist es mir in den 13 Jahren des Schreibens noch nicht gelungen, eine wirkliche Routine außerhalb des Nanowrimos aufzubauen.
  4. Übungen machen, Ratgeber lesen, Notizzettel aufhängen, dass es Perfektion nicht gibt. Und das ein gutes Buch keine Garantie dafür ist, dass es sich verkauft, gelesen und für gut befunden wird. Mein Lieblingsfilm z. B. wird auch öfters belächelt und schlecht bewertet, weil Geschmäcker nun mal subjektiv sind und nicht jeder alles mag, selbst wenn man keine Kosten und Mühen gescheut hat.

Das sind jetzt erstmal meine Tipps, habt ihr noch weitere? Schreibt es mir gerne in die Kommentare! Ich werde mich an die Umsetzung machen und hoffe, dass ich so schaffe, wieder länger durchzuhalten und eines Tages wirklich regelmäßiger und konsequenter schreiben zu können.

Mehr Liebe, weniger Angst. Mehr einfach machen, weniger alles zerdenken. Gut, das bezieht sich auch auf mein gesamtes Leben, nicht nur auf das Schreiben, ich habe also noch einen langen Weg vor mir. Aber das ist okay, denn ich geh weiter. Schritt für Schritt.

DEINE NADINE

Verfasst von

Fotografin, Autorin, Coverdesignerin, 27 Jahre.

4 Kommentare zu „Projektupdates XXL und die Auseinandersetzung mit dem inneren Kritiker: die ganze Wahrheit

  1. ich kann einiges was du schreibst sehr gut nachvollziehen, insbesondere den punkt wenn es um fotografie und schreiben geht, auch wenn die fotografie bei mir aufgrund gewisser rahmenbedingungen in meinem leben etwas in den hintergrund gerückt ist aber schreiben ist schon was anderes. fotos lassen mehr spielraum, beim schreiben offenbarst du noch viel mehr deine seele. das ist auch der grund, warum ich nach wie vor paleica und meinen real life nickname noch nie verbunden habe. es geht mir da wie dir.

    mit den dingen etwas anzufangen und nicht zu beenden hat es bei mir dazu geführt, dass ich gar nichts mehr anfange. in meinem kopf gibt es so vieles, aber letztlich fehlt es mir an zeit und energie, dinge wirklich durchzuziehen. aber ich glaube das liegt auch einfach an der angst, sich WIRKLICH zu offenbaren. das hat dafür mit meinem schlüsselbeintattoo und der person dahinter zu tun. sie, die dahintersteht, kann das, sie hat das immer getan, ganz kompromisslos.

    aber weißt du, alles ist ein weg und du setzt dich nicht hin und sagst „so ist es eben“, sondern du arbeitest daran. in dir brodelt so viel, das raus will, aber es gibt auch so viel, das dich blockiert. aber du weißt es, du spürst es, du lässt es zu und versuchst es zu verbessern. das ist der EINZIGE anspruch, den man an sich haben sollte. alles andere wird kommen, davon bin ich überzeugt.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, das stimmt. Schreiben offenbart viel mehr! Danke dir! ❤
      Dankeschön! Ja genau ich arbeite daran und will Wege und Möglichkeiten für mich finden und alleine schon dieses Suchen und dadurch dann eben dranbleiben am sich ausprobieren ist echt wichtig, danke dir für deinen Input! 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Ich kann dir leider keine Tipps geben, weil ich persönlich nicht an einem Roman arbeite, sondern halt nur für den Blog schreibe, aber ich wollte dir zumindest per Kommentar dalassen, dass ich deinen Beitag sehr mutig und ehrlich finde. Dass du da so offen drüber schreibst, dass ist nicht einfach und davor ziehe ich meinen Hut, wie man so schön sagst. Ich hoffe, dass du über die Kommentare da noch einige weitere Hilfestellungen bekommst, die dir dann auch tatsächlich weiterhelfen. Die Angst vor der Kritik und dem Veriss des Buches kann ich aber nachvollziehen, vielleicht hilft da ja der Austausch mit anderen Autor*innen und ein Gespräch, wie diese damit umgehen? Dass ist ja wahrscheinlich etwas, dass viele quält und belastet. Aber auch da: Ich bin in der Autoren aber auch der Buchbubble zu wenig unterwegs, um mich da auszukennen. Ab und an bekomme ich gewisse Dramen und Aufschreie mit, aber auch nur am Rande. Ich investiere meine Zeit da lieber in Austausch mit anderen Boggern und gegenseitige Unterstützung, denn das macht mir beim Bloggen auch am meisten Spaß. Den Rest blende ich ehrlich gesagt aus.
    Zu guter letzt: Wünsche ich dir aber natürlich noch viel Erfolg bei den Projekten und dass du deine Ängste überwindest und sie fertigstellst.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Nadine (ich hoffe doch, dass das Kommente zum Serien Talk von dir war, weil mir wird kein Blog Link angezeigt, also falls du das nun gar nicht warst, entschuldige ich mich, dann darfst du den Rest ignorieren):
    Hast du denn „Framing Britney Spears“ und „The Secret“ schon gesehen? Ich habe für beides noch keine Zeit gefunden und wäre somit gespannt auf deine Meinung.

    Also 90210, Charmed (Original) und Hart of Dixie schließe ich mich an, die wären doch mal schön bei einem Streamingdienst. Könnte mir vorstellen dass es 90210 und Hart of Dixie halt mit dem Start von HBO Max hierzulande gibt, das dauert aber leider noch einige Jahre. Beauty and the Beast hatte ich damals nicht geschaut, das würde ich mir aber auf einem Streamingdienst tatsächlich auch zur Gemüte führen.

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    1. Ich danke sehr für deinen ausführlichen Kommentar liebe Nicole! Ja, viele Autoren haben das gleiche Problem, allerdings nicht so massiv wie ich. Also dann gibt es die Probleme, aber da wird dann trotzdem durchgezogen, trotzdem weitergemacht, während ich schon längst aufgebe.
      Dankeschön, das hoffe ich auch wirklich. Und das gute am Blog ist: ich werde berichten 😀
      Ja, der Kommentar war von mir!
      Nein, ich habe tatsächlich für beides auch noch keine Zeit gefunden. Erstmal muss ich die Dokumentation von Demi Lovato auf YouTube schauen. Beauty and the Beast gehört in meine Top 10 Lieblingspilots!

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